Reduziertes Design trifft Holz mit Geschichte // Hafenholz

8. September 2019

Über die Suche nach den richtigen Möbeln, die Sehnsucht nach dem Hafen und was das alles mit dem stylishen Label Hafenholz zu tun hat!

Ich habe ja ein kleines Faible für Design. Das macht natürlich auch vor Möbel keinen Halt. Im Jugendalter hatte ich schon konkrete Vorstellungen, wie mein Zimmer auszusehen hatte. Ich weiß noch, dass ich mit meinen Eltern x Möbelhäuser abgeklappert habe und mir nur sehr wenig gefallen hat. Die Verkäufer sind meist an mir verzweifelt, da ich auch ziemlich lautstark meine Meinung geäußert habe, wenn ich etwas hässlich fand ;) Nicht sehr diplomatisch - ich weiß. Zumindest war es von Grund auf ehrlich! Meist scheiterte es am Budget meiner Eltern, dass das hübsche Designersofa dann doch nicht in meiner Teenie-Bude landete, was absolut verständlich ist. Rückblickend kann ich jetzt nicht wirklich sagen, dass ich meinen Geschmack von damals jetzt noch besonders toll finde, aber sowas verändert sich ja auch. Gott sei Dank! Ich hatte mir auch unbedingt Batik-Ähnliche Gardinen dazu eingebildet, die ich heiß & innig geliebt habe. Jetzt wäre mir das alles etwas zu schrill. Meine Mum hat letztens Teile des Jugendzimmers verschenkt. Hier kann man zumindest sagen, dass die Sachen echt lange gehalten haben mit 25 Jahren und jetzt vielleicht immer noch nen guten Dienst erweisen. Nachhaltigkeit ist mir definitiv auch wichtig - jetzt noch viel mehr als früher.

Als ich zu Studienzeiten meine erst eigene Bude mit sage und schreibe 18 Quadratmeter inklusive Bad nahe Hamburg bezog, da bestand fast meine ganze Einrichtung aus Möbeln von diesem einen schwedischen Kaufhaus. Es war einfach praktisch, da man in Null Komma Nichts eingerichtet war. Zack den kleinen Katalog herausgezogen und fleißig angemalt was man so brauchte. Am nächsten Tag mit Eltern dorthin gefahren und alles eingekauft, da ja auch alles auf Lager ist. Ein paar Stunden später waren die wichtigsten Dinge wie Schlafcouch, Bademöbel und unerlässliche Accessoires aufgestellt und fertig war der Lack! Ich muss zugeben, dass viele Zimmer meiner Studienkollegen ähnlich aussahen ;) Allerdings hatten wir alle keine handwerklichen Fähigkeiten uns selbst was zu zimmern und zum anderen fehlte uns einfach das nötige Kleingeld.

The details are not the details. They make the design.

Charles Eames, Designer

Generell bin ich ein Fan von reduzierten Designs. Zu viel Schnörkel, Firlefanz und Kunterbuntes ist absolut nichts für mich. Allerdings gestaltet sich die Suche danach meist relativ schwierig. Es soll geradlinig sein, aber nach Möglichkeit keine Massenware. Natürlich haben wir jetzt in unserem Haus auch Möbel aus schwedischem Hause mit den vier Buchstaben. Allerdings kombiniere ich das Ganze gerne mit ein paar schönen Einzelstücken, die auch definitiv mehr kosten dürfen. Jetzt muss ich auch nicht mehr von einem Studentenbudget leben und jeden Cent zweimal umdrehen... Wenn ich mich dann täglich darüber freue, was für eine schöne Kommode ich da ergattert habe, dann ist sie auch definitiv jeden Euro wert.

Auf das Label Hafenholz​​​​​​​ bin ich auf einem meiner Hamburg Besuche nach dem Studium aufmerksam geworden und habe mich sofort in einen der kleinen Couchtische verliebt. Allerdings hatte ich damals noch eine sehr kleine Wohnung und nicht den nötigen Platz dafür. Allein den Label Namen finde ich schon super, da dort das Wort "Hafen" vorkommt und ich das sofort mit Hamburg assoziiere. Ich bin ja ein sehr großer Fan dieser Stadt. Die Jungs stellen coole Möbel in Serie her, die definitiv erschwinglich sind, aber machen auch Individualanfertigungen. Es gibt hübsche Tische, Stühle, Bilderrahmen & Co. zu bestaunen und wie üblich gibt es an dieser Stelle nun ein Interview mit den Gründern.


Interview mit Lasse Bagdahn und Per Völkel von Hafenholz

War Euer Traumberuf schon immer Möbeldesigner und Tischler in einem? Wie seid Ihr dazu gekommen?

Das kam mit der Zeit erst zusammen. Als gelernte Tischler haben wir uns in der Holztechnikerschule kennengelernt. Dort kamen wir in Kontakt mit dem Prinzip der Serienfertigung und mit der Gestaltung von Möbeln.

Euer erstes Produkt war ein Bilderrahmen aus "Hafenholz". Wie kamt Ihr auf diese Idee? Was genau ist ein "Hafenholz"?

In diesem Zusammenhang bezeichnet Hafenholz lediglich Holz, das mit Schiffen nach Hamburg kam und dort vor dem Weiterverkauf aufbereitet wurde. Bei dieser Aufbereitung fallen Randstücke ab, aus denen wir die Rahmen gebaut haben. Hätten wir diese Reste nicht verarbeitet, wären sie entsorgt worden. Wie wir auf diese Idee kamen, kann ich nicht mehr sagen.

Was macht für Euch die Faszination "Holz" aus?

Die größte Faszination ist die Inhomogenität des Holzes, der man bei der Verarbeitung Rechnung tragen muss. Wenn man zum Beispiel in einer Bohle ein Astloch hat, eignet sich dieses Holz eher zum Bau von Tischplatten als zum Bau von Tischbeinen.

Ihr stellt auch serientaugliche Möbel in kleiner Auflage mit ganz viel Herzblut her. Wieso habt Ihr Euch entschieden nicht nur auf Unikate zu setzen? Woher bezieht Ihr die Materialien dafür?

Den Reiz macht die Kombination aus Serienfertigung und individuellen Anteilen aus. Beim Pottwal etwa sieht jede Oberfläche anders aus und ist ganz bewusst zusammengestellt. Beim Beluga liegt der Fokus auf Serienfertigung, da wir so eine andere Preisgestaltung vornehmen können, als wenn wir nur Einzelanfertigungen machten.

Was mögt Ihr an Eurer Arbeit am liebsten?

Das Gefühl, dass unsere Produkte gut ankommen.

Wie kommt Ihr an neue Holzquellen? Habt Ihr da einen speziellen "Dealer"?

Wenn wir benutzte Hölzer finden, dann geschieht das eher zufällig. Wir sind bei den meisten unserer Produkte nicht auf altes Holz angewiesen, das wäre auch schwierig, wenn man sich z.B. den Beluga anschaut: zum einen ist der Nachschub an altem Holz nicht garantiert, was zu Produktionsschwierigkeiten führen könnte und zum anderen macht gebrauchtes Holz beim Beluga keinen Sinn, da man es dort nur für die Beine benutzen könnte. Dort sieht man aber kaum, dass es sich um Altholz handelt und es gäbe viel Ausschuss, da ein Bein belastbar sein muss und deshalb keine Defekte wie Risse oder ähnliches haben sollte/darf.

Was kann man bei Euch fertigen lassen? Angenommen: Ich bräuchte einen neuen Esstisch - wie sieht der Prozess von meiner vagen Idee aus, bis der Tisch bei mir zu Hause steht?

Im einfachsten Fall gefällt Dir einer unserer Tische, so wie er ist. Oder Du möchtest eigentlich einen dieser Tische haben, nur die Maße passen nicht? Dann passen wir sie an. Du kannst natürlich auch mit einer eigenen Idee kommen. Je besser Du beschreiben kannst, was Du Dir wünschst, vielleicht sogar Maße, Details, Bilder von ähnlichen Möbeln als Orientierung hast, desto schneller steht der Entwurf bzw. die Konstruktion. Dann senden wir Dir Zeichnungen des Tisches zu, bis eine endgültige Form gefunden ist und dann wird gebaut. Den fertigen Tisch kannst Du dann bei uns abholen oder auch liefern lassen.

Jedes Eurer Möbel erzählt eine Geschichte. Habt Ihr dazu ein paar auf Lager, die Ihr uns verraten könnt? Was habt Ihr da bisher so verarbeitet?

Die Beluga- und die Orcaserie kommt ja ohne alte Hölzer aus. Da gleiche gilt für die meisten Pottwale. Nur vereinzelt bauen wir deren Platten aus alten Hölzern (wenn wir mal was Gutes da haben). Ab und an machen wir auch mal Einzelanfertigungen aus altem Holz. So zum Beispiel haben wir mal eine Cocktailbar ausgebaut und dabei altes Mahagoni aus der Deckenverkleidung einer Kirche genommen. Oder einen Tisch aus Bohlen von einer Fussgängerbrücke über die Trave.

Was ist Eure Lieblingsgeschichte? Gerne auch Buch. Warum mögt Ihr das?

Da müssen wir passen. Aber einen ganz wichtigen Spruch kann ich Dir mitgeben: "Wer´s eilig hat, muss langsam machen" bewahrheitet sich immer wieder.

Bei eurem Label ist Nachhaltigkeit ja ein großes Thema. Spielt das für Euch privat auch eine Rolle?

Klar. Wie zum Glück bei vielen unserer Zeit. Ich bewege das Auto nur, wenn es nicht anders geht, zum Beispiel bei Lieferungen. Ansonsten ist Fahrrad angesagt. Sommer wie Winter.

In der Möbelindustrie geht ja auch oft um Masse statt Klasse. Preisdumping ist hier sicher auch ein Stichwort. Was müsste sich Eurer Meinung nach ändern, dass es ein Stückchen besser wird?

Da sind wir bei der eigentlichen Nachhaltigkeit. Es muss kein altes Holz sein, denn es ist ja schon mal gut, wenn die Möbel 20 Jahre+ statt acht Jahre benutzt werden. Das geht, wenn die Qualität es hergibt und die Gestaltung einem nicht nach ein paar Jahren schon auf die Nerven geht.

Was ist Euer aktuelles Lieblings-Hafenholz-Produkt und warum?

Einen echten Liebling haben wir nicht. Aber zum Beispiel einen Pottwaltisch zu Ölen macht auch nach Jahren immer wieder Spaß. Dabei erweckt man ihn sozusagen zum Leben, weil der Tisch dann Kontrast und Tiefe bekommt.


Wo bekommt man die stylishen Möbel von hafenholz?

Natürlich gibt es einen schicken Online-Shop, der wunderbaren Dinge für Euch bereit hält. Dort findet Ihr: Tisch, Couch-Tisch, Stuhl, Bank, Highboard, Kommode, Wickelaufsatz, Hocker, Bartisch und Barhocker. Im Bereich Accessoires könnt Ihr folgende Sachen shoppen: Bilderrahmen, Fahrradhalter, iPad Halter, iPhone Halter und Untersetzer.

Die Jungs sind aber auch immer auf einigen Designmessen unterwegs. Dort könnt Ihr die Sachen live und in Farbe ankucken. Hier ein paar der Termine:

  • 20.-22. Oktober 2019, Feinwerk Markt (Schloss Fasanerie), 36124 Eichenzell (bei Fulda)
  • 27. November - 01. Dezember 2019, Heim und Handwerk München, Messegelände München
  • 13.-19. Januar 2020, Passagen Interior Design Week Köln, Pattenhalle, Köln
  • 24.-26. Januar 2020, BLICKFANG Hamburg, Deichtorhallen

Schlusswort

Wie seid Ihr so eingerichtet? Eher modern - eher traditionell? Oder macht Ihr eine bunte Mischung aus mehreren Stilen?

Liebe Möbel-Grüße
Kerstin


Photo Credit: Hafenholz

 

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